Spaziergang im herbstlichen Park bei Tageslicht

Herbstblues: was Nährstoffe leisten und was nicht

Wenn ab Oktober die Tage kürzer werden, beschreiben viele Menschen dasselbe Muster: schwerer aus dem Bett, weniger Antrieb am Nachmittag, mehr Müdigkeit als im Sommer. Umgangssprachlich heißt das Herbstblues.

Dieser Beitrag ordnet ein, was sich im Herbst tatsächlich ändert, welche Angaben zu Nährstoffen in der EU zugelassen sind und wo die Grenze zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung verläuft.

Was hier nicht steht, sind Aussagen über Stress, Stimmung oder Depression. Für Lebensmittel — und dazu zählen Nahrungsergänzungsmittel — sind sie nach Artikel 7 Absatz 3 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 unzulässig. Kein Nährstoff trägt eine zugelassene Angabe zu Stimmung, Stresshormonen oder Entspannung. Was zugelassen ist, steht weiter unten im Wortlaut.

Was „Herbstblues“ bezeichnet

Der Begriff ist umgangssprachlich und keine medizinische Diagnose. Er fasst zusammen, dass sich Antrieb, Schlafbedürfnis und Befinden mit der Jahreszeit verschieben. Das ist verbreitet und geht in der Regel zurück, wenn die Tage wieder länger werden.

Davon zu unterscheiden ist die saisonal abhängige Depression. Dazu weiter unten ein eigener Abschnitt.

Was sich im Herbst messbar ändert

Das Tageslicht. Draußen liegt die Beleuchtungsstärke selbst an einem bedeckten Herbsttag um ein Vielfaches über der in Innenräumen. Wer im Dunkeln zur Arbeit fährt und im Dunkeln zurückkommt, bekommt davon wenig ab. Das verschiebt den Tag-Nacht-Rhythmus.

Der Bewegungsumfang. Wege im Freien werden kürzer, Sport verlagert sich nach drinnen oder fällt aus.

Der Alltag. Unregelmäßigere Schlafenszeiten, verschobene Mahlzeiten, weniger Kontakte außer Haus. Das sind gewöhnliche Faktoren — und im Gegensatz zur Sonnenscheindauer lassen sie sich beeinflussen.

Herbstblues und saisonal abhängige Depression

Hier ist eine klare Trennung nötig, und wir ziehen sie ausdrücklich.

Ein saisonales Stimmungstief ist eine Alltagsbeobachtung. Die saisonal abhängige Depression ist dagegen eine ärztliche Diagnose: eine depressive Episode mit jahreszeitlichem Muster. Anhaltspunkte sind, dass die Beschwerden über mehrere Wochen fast täglich und über den größten Teil des Tages bestehen, dass Interesse und Freude verloren gehen, dass Schlaf, Appetit und Konzentration deutlich verändert sind und der Alltag nicht mehr wie gewohnt zu bewältigen ist.

Kein Lebensmittel und kein Nahrungsergänzungsmittel behandelt oder verhindert eine Depression. Wer solche Beschwerden bei sich bemerkt, gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.

Anlaufstellen:

  • Info-Telefon Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: 0800 33 44 533
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
  • In einer akuten Notlage: 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.

Was zu Nährstoffen zugelassen ist — im Wortlaut

Gesundheitsbezogene Angaben sind in der EU abschließend geregelt. Zulässig ist allein der zugelassene Wortlaut, und nur für den jeweils genannten Nährstoff. Aus der Verordnung (EU) Nr. 432/2012:

„trägt zu einer normalen psychischen Funktion bei“ — Vitamin B1, Niacin (B3), Vitamin B6, Biotin (B7), Folat (B9), Vitamin B12, Vitamin C, Magnesium.

„trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“ — Vitamin B1, Vitamin B2, Niacin, Vitamin B6, Vitamin B12, Biotin, Vitamin C, Magnesium, Kalium, Kupfer, Jod, Eisen.

„trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“ — Vitamin B2, Niacin, Pantothensäure (B5), Vitamin B6, Folat, Vitamin B12, Vitamin C, Magnesium, Eisen.

„trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“ — die B-Vitamine, Vitamin C, Magnesium, Eisen, Jod, Kupfer, Mangan, Calcium, Phosphor.

Zwei Punkte gehören dazu. Erstens darf eine solche Angabe nur verwendet werden, wenn eine Portion mindestens 15 % der Referenzmenge des genannten Nährstoffs liefert. Zweitens beschreiben die Angaben einen Beitrag zu einer normalen Funktion — sie sagen nichts darüber, ob sich ein Befinden dadurch bessert.

Wozu es keine zugelassene Angabe gibt

Das ist der kürzere, aber wichtigere Teil.

  • Stimmung. Für keinen Nährstoff und keine Pflanze existiert eine zugelassene Angabe zu Stimmung, Stimmungsaufhellung oder seelischem Tief.
  • Vitamin D und Psyche. Zu Vitamin D gibt es zugelassene Angaben; sie betreffen Knochen, Zähne, Muskelfunktion, Calciumaufnahme, Zellteilung und die Funktion des Immunsystems. Eine Angabe zur Psyche oder zur Stimmung ist nicht darunter. Der oft gelesene Satz, Vitamin D hebe im Winter die Laune, ist keine zulässige Aussage.
  • Omega-3. Die zugelassenen Angaben zu EPA und DHA betreffen die Herzfunktion sowie — für DHA — die Erhaltung der normalen Gehirnfunktion und der normalen Sehkraft. Zu Stimmung oder Depression gibt es keine.
  • Serotonin und Tryptophan. Lebensmittel dürfen nicht damit beworben werden, die Serotoninbildung oder „Glückshormone“ zu fördern. Eine solche Angabe ist nicht zugelassen.
  • Magnesium und Stress. Zugelassen sind für Magnesium der Beitrag zu einer normalen psychischen Funktion, zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung. Magnesium „senkt“ keine Stresshormone und „entspannt“ keine Nerven; dafür gibt es keine zugelassene Angabe.
  • Pflanzliche Auszüge. Zu Johanniskraut, Lavendel, Melisse, Baldrian, Passionsblume, Rhodiola, Ashwagandha, Ginseng und vergleichbaren Botanicals gibt es in der EU keine zugelassenen Angaben. Nach dem Urteil des EuGH vom 30.04.2025 (Rs. C-386/23) und der Entscheidung des BGH „Botanicals II“ vom 05.06.2025 besteht dafür auch keine Übergangsregelung mehr. Wir sagen dazu deshalb nichts — auch nicht abgeschwächt.
  • „Entzündungshemmend“. Das ist eine arzneiliche Aussage und für Lebensmittel nicht zulässig, unabhängig vom Nährstoff.

Zu Johanniskraut kommt ein Sicherheitshinweis hinzu: Es ist auch als Arzneimittel im Verkehr und hat erhebliche Wechselwirkungen, unter anderem mit Antidepressiva und hormonellen Verhütungsmitteln. Eine Einnahme gehört ärztlich oder in der Apotheke besprochen.

Was im Alltag trägt

Die folgenden Punkte sind keine Behandlung. Sie sind schlicht das, was sich lohnt, wenn das Befinden im Herbst nachlässt.

  • Tageslicht, früh am Tag. Zwanzig bis dreißig Minuten draußen am Vormittag, auch bei bedecktem Himmel. Das bringt mehr als jede Bürobeleuchtung.
  • Feste Aufsteh- und Schlafenszeiten. Ein gleichmäßiger Rhythmus ist verlässlicher als viel Schlaf am Wochenende.
  • Bewegung im Freien. Regelmäßig und moderat schlägt selten und intensiv.
  • Regelmäßige Mahlzeiten. Verschobene Essenszeiten verschieben den Tagesrhythmus mit.
  • Verabredungen, die im Kalender stehen. Im Herbst fallen Kontakte eher aus, wenn sie nicht geplant sind.
  • Die Nährstoffversorgung prüfen statt raten. Ein tatsächlicher Mangel wird ärztlich festgestellt und nicht aus Symptomen abgeleitet.

Ein besonderer Tip für Dich!

Den Vormittagsspaziergang nicht als Extra planen, sondern an einen Weg hängen, den es ohnehin gibt: eine Haltestelle früher aussteigen, das erste Telefonat im Gehen führen, den Einkauf auf den Vormittag legen. Was an einen bestehenden Ablauf gekoppelt ist, hält im November länger durch als ein guter Vorsatz.

Häufige Fragen

Hebt Vitamin D im Winter die Stimmung?

Dazu gibt es keine zugelassene Angabe. Die zugelassenen Angaben zu Vitamin D betreffen unter anderem Knochen, Muskelfunktion und die Funktion des Immunsystems, nicht die Psyche.

Helfen Omega-3-Fettsäuren bei gedrückter Stimmung?

Eine Angabe dazu ist nicht zugelassen. Zugelassen sind Angaben zur Herzfunktion sowie für DHA zur Erhaltung der normalen Gehirnfunktion und der normalen Sehkraft.

Was darf über Magnesium gesagt werden?

Der Wortlaut der Verordnung: Beitrag zu einer normalen psychischen Funktion, zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung. Mehr nicht.

Woran ist zu erkennen, dass mehr dahintersteckt als ein saisonales Tief?

Wenn die Beschwerden über mehrere Wochen fast täglich anhalten, Interesse und Freude verloren gehen und der Alltag nicht mehr zu bewältigen ist. Dann ist ärztlicher Rat angezeigt. Das Info-Telefon Depression unter 0800 33 44 533 nennt auch Anlaufstellen vor Ort.

Wann darf ein Produkt überhaupt mit einer solchen Angabe werben?

Nur wenn eine Portion mindestens 15 % der Referenzmenge des genannten Nährstoffs liefert und der zugelassene Wortlaut unverändert verwendet wird.

Kurz zusammengefasst

  • „Herbstblues“ ist ein umgangssprachlicher Begriff, keine Diagnose.
  • Messbar ändern sich im Herbst Tageslicht, Bewegungsumfang und Alltagsrhythmus — alle drei lassen sich beeinflussen.
  • Zugelassen sind Angaben zu normaler psychischer Funktion, zur normalen Funktion des Nervensystems, zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung sowie zum normalen Energiestoffwechsel — jeweils nur für die in der Verordnung genannten Nährstoffe und nur ab 15 % der Referenzmenge je Portion.
  • Zu Stimmung, Stimmungsaufhellung, Stress oder Depression gibt es für keinen Nährstoff und keine Pflanze eine zugelassene Angabe.
  • Vitamin D trägt keine Angabe zur Psyche, Omega-3 keine zur Stimmung.
  • Für Botanicals besteht seit den Entscheidungen von EuGH und BGH aus dem Jahr 2025 keine Übergangsregelung mehr.
  • Eine saisonal abhängige Depression ist eine ärztliche Diagnose; kein Lebensmittel behandelt oder verhindert sie. Info-Telefon Depression 0800 33 44 533, Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Quellen

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