Ausgewogene Mahlzeit mit Gemüse, Vollkorn und Eiweißquelle

Ernährung und Leber: Nährstoffe im Überblick

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers. Dieser Beitrag erklärt, welche Aufgaben sie im Nährstoffstoffwechsel übernimmt, wie eine ausgewogene Ernährung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aufgebaut ist, und an welchen Stellen bei Nahrungsergänzungsmitteln Vorsicht angebracht ist.

Wichtiger Hinweis: Wenn bei dir eine Lebererkrankung diagnostiziert wurde, richtet sich die Ernährung nach Art und Stadium der Erkrankung und wird ärztlich oder von einer Ernährungsfachkraft festgelegt. Eiweißmenge, Salzzufuhr und Trinkmenge können dabei individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Dieser Beitrag ersetzt diese Beratung nicht und ist keine Ernährungstherapie.

Was die Leber im Nährstoffstoffwechsel tut

Fast alles, was aus dem Darm ins Blut aufgenommen wird, passiert zuerst die Leber. Ihre wichtigsten Aufgaben im Zusammenhang mit der Ernährung:

  • Kohlenhydratstoffwechsel. Die Leber speichert Glukose in Form von Glykogen und gibt sie zwischen den Mahlzeiten wieder ab. Sie ist damit maßgeblich daran beteiligt, dass der Blutzucker über den Tag stabil bleibt.
  • Eiweißstoffwechsel. In der Leber werden zahlreiche körpereigene Proteine gebildet, darunter Albumin und die Gerinnungsfaktoren. Auch der Abbau von Aminosäuren und die Bildung von Harnstoff finden hier statt.
  • Fettverdauung. Die Leber bildet die Gallensäuren, ohne die Nahrungsfette und fettlösliche Vitamine nicht aufgenommen werden können.
  • Speicher. Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden in der Leber gespeichert, ebenso Eisen und Kupfer.
  • Abbau. Alkohol und die meisten Arzneimittel werden überwiegend in der Leber verstoffwechselt.

Das ist Physiologie, keine Ernährungsempfehlung. Es erklärt aber, warum bei Lebererkrankungen ausgerechnet Eiweiß, Fett und die fettlöslichen Vitamine die Punkte sind, über die ärztlich entschieden wird.

Worauf es bei der Ernährung ankommt

Für gesunde Erwachsene sind die lebensmittelbezogenen Empfehlungen der DGE die Grundlage. Sie sind unspektakulär und gut belegt:

  • täglich Gemüse und Obst, als Orientierung fünf Portionen;
  • Getreideprodukte bevorzugt als Vollkorn;
  • Hülsenfrüchte wöchentlich, Nüsse in kleiner Menge täglich;
  • pflanzliche Öle wie Raps-, Walnuss- oder Olivenöl;
  • Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal pro Woche;
  • Fleisch und Fleischerzeugnisse zusammen höchstens etwa 300 Gramm pro Woche;
  • zucker-, salz- und fettreiche verarbeitete Produkte sparsam;
  • rund 1,5 Liter am Tag trinken, am besten Wasser oder andere kalorienfreie Getränke.

Eiweiß: eine verbreitete Vorstellung, die fachlich überholt ist

Hartnäckig hält sich die Annahme, bei Lebererkrankungen müsse Eiweiß grundsätzlich eingeschränkt werden. In der Fachliteratur gilt diese pauschale Einschränkung als überholt; eine unnötig knappe Eiweißzufuhr führt zum Abbau von Muskelmasse, und das ist kein erwünschtes Ergebnis. Wie viel Eiweiß im Einzelfall richtig ist, gehört zu den Punkten, die ärztlich festgelegt werden — pauschal in die eine wie in die andere Richtung zu raten, wäre an dieser Stelle unseriös.

Alkohol

Alkohol wird überwiegend in der Leber abgebaut. Das ist der Grund, warum Alkohol in jeder ärztlichen Empfehlung zu Lebererkrankungen an erster Stelle steht. Für gesunde Erwachsene gilt: je weniger, desto besser — eine Menge, die aus gesundheitlicher Sicht als unbedenklich gelten könnte, lässt sich nicht angeben.

Zucker und Fruktose

Fruktose wird, anders als Glukose, überwiegend in der Leber verstoffwechselt. Relevant ist dabei weniger das Obst als die Menge an zugesetztem Zucker in Getränken und verarbeiteten Produkten, weil dort größere Mengen in kurzer Zeit zusammenkommen. Die DGE-Empfehlung, zuckerreiche Produkte sparsam zu verwenden, deckt das ab.

Nahrungsergänzungsmittel: wo Vorsicht angebracht ist

Als Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln sagen wir das ausdrücklich: Bei einer Lebererkrankung gehört jedes Präparat vorher ärztlich abgeklärt. Zwei Punkte sind dabei besonders zu beachten.

Fettlösliche Vitamine reichern sich an. Vitamin A, D, E und K werden in der Leber gespeichert und nicht wie wasserlösliche Vitamine über den Urin ausgeschieden. Hohe Dosierungen über längere Zeit sind deshalb ohne ärztliche Begleitung nicht sinnvoll — und bei eingeschränkter Leberfunktion gilt das besonders.

Pflanzliche Präparate sind nicht automatisch harmlos. Eine Reihe von Pflanzenextrakten steht im Verdacht, in höheren Dosierungen die Leber zu belasten. Wer bereits Arzneimittel einnimmt, sollte jede Ergänzung mit der behandelnden Ärztin besprechen, weil viele Arzneimittel über dieselben Stoffwechselwege abgebaut werden.

Häufige Fragen

Gibt es Lebensmittel, die die Leber „entgiften"?

Nein. Die Entgiftungsleistung des Körpers ist eine Funktion von Leber und Nieren und lässt sich nicht durch einzelne Lebensmittel, Kuren oder Tees steigern. Angebote, die das versprechen, werben mit einer Wirkung, für die es keine Grundlage gibt.

Muss ich bei einer Fettleber fettarm essen?

Das ist eine ärztliche Frage und keine, die sich allgemein beantworten lässt. Was sich sagen lässt: Die Empfehlungen zur Ernährung bei einer Fettleber haben sich in den letzten Jahren verändert, und die Art der Fette spielt darin eine andere Rolle als die reine Menge. Diese Entscheidung gehört in die Behandlung.

Wie merke ich, ob meine Leber „belastet" ist?

Über die Ernährung oder über Symptome lässt sich das nicht beurteilen. Leberwerte werden im Blut bestimmt, und erhöhte Werte haben viele mögliche Ursachen. Wer es wissen will, lässt es messen, statt es zu vermuten.

Ist Kaffee gut für die Leber?

Zu Kaffee und Leberwerten gibt es Beobachtungsdaten, aber keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe und keine Empfehlung, aus gesundheitlichen Gründen mit dem Kaffeetrinken zu beginnen. Wer Kaffee mag, kann ihn trinken; als Maßnahme taugt er nicht.

Kurz zusammengefasst

  • Die Leber speichert Glykogen, bildet Eiweiße und Gallensäuren, speichert die fettlöslichen Vitamine und baut Alkohol und Arzneimittel ab.
  • Für gesunde Erwachsene sind die DGE-Empfehlungen die Grundlage: viel Pflanzliches, Vollkorn, pflanzliche Öle, wenig verarbeitete Produkte.
  • Die pauschale Eiweißeinschränkung bei Lebererkrankungen gilt fachlich als überholt; die individuelle Menge legt die Ärztin fest.
  • Fettlösliche Vitamine reichern sich in der Leber an — hohe Dosierungen gehören ärztlich begleitet.
  • „Leber-Detox" gibt es nicht.
  • Bei einer diagnostizierten Lebererkrankung wird die Ernährung ärztlich oder von einer Ernährungsfachkraft festgelegt.

Quellen

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