Glas Rotwein neben einer Wasserkaraffe auf einem Tisch

Alkohol im Winter: Wirkung auf Flüssigkeit und Nährstoffe

Glühwein, Punsch, das Glas zum Essen: Im Winter wird in Deutschland mehr Alkohol getrunken als im Rest des Jahres. Dieser Beitrag beschreibt, was Alkohol im Körper tatsächlich macht — beim Wärmeempfinden, beim Flüssigkeitshaushalt, beim Schlaf und beim Nährstoffhaushalt — und was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung inzwischen zur Menge sagt.

Das Wärmegefühl ist eine Täuschung

Das ist der Punkt, der im Winter praktisch am wichtigsten ist und am häufigsten falsch verstanden wird.

Alkohol erweitert die Blutgefäße in der Haut. Dadurch fließt mehr warmes Blut an die Körperoberfläche, und genau das nimmt man als Wärme wahr. Physikalisch passiert dabei das Gegenteil von dem, was sich anfühlt: Über die stärker durchblutete Haut gibt der Körper mehr Wärme an die Umgebung ab. Die Körperkerntemperatur sinkt schneller, nicht langsamer.

Dazu kommt, dass Alkohol das Kälteempfinden dämpft. Wer draußen in der Kälte trinkt, fühlt sich wärmer und kühlt gleichzeitig stärker aus — eine Kombination, die bei längerem Aufenthalt im Freien ungünstig ist.

Flüssigkeit: warum Alkohol harntreibend wirkt

Alkohol hemmt die Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (ADH), das in der Niere die Rückgewinnung von Wasser steuert. Fällt dieses Signal weg, wird mehr Urin ausgeschieden, als der Menge an Getränk entspricht. Der Nettoeffekt ist ein Flüssigkeitsverlust.

Praktisch heißt das: Wasser dazwischen. Nicht als Gegenmittel, sondern weil der Verlust sonst schlicht bestehen bleibt.

Schlaf: einschlafen ja, durchschlafen nein

Alkohol verkürzt die Einschlafzeit — das ist der Grund, warum er als Schlafmittel gilt. Was danach passiert, spricht dagegen: In der zweiten Nachthälfte, wenn der Alkohol abgebaut ist, wird der Schlaf unruhiger und fragmentierter, und der REM-Schlaf verschiebt und verkürzt sich.

Das Ergebnis ist ein Schlaf, der lang genug ist und sich trotzdem nicht erholsam anfühlt. Wer den Zusammenhang einmal bemerkt hat, erkennt ihn danach zuverlässig wieder.

Nährstoffe: was sich bei regelmäßigem Konsum verändert

Alkohol wird überwiegend in der Leber verstoffwechselt. Bei regelmäßigem, höherem Konsum wirkt sich das auf den Nährstoffhaushalt aus, und zwar an drei Stellen:

  • B-Vitamine, insbesondere Thiamin (Vitamin B1). Alkohol beeinträchtigt sowohl die Aufnahme im Darm als auch die Speicherung. Thiamin ist deshalb der Nährstoff, der in diesem Zusammenhang fachlich zuerst genannt wird.
  • Magnesium und Zink. Über die erhöhte Harnausscheidung gehen auch Mineralstoffe verloren.
  • Die Energiebilanz. Alkohol liefert rund 7 Kilokalorien pro Gramm — mehr als Kohlenhydrate und Eiweiß und fast so viel wie Fett. Diese Kalorien bringen keine Nährstoffe mit.

Das sind Aussagen über Alkohol, nicht über Nahrungsergänzungsmittel. Aus ihnen folgt nicht, dass ein Präparat den Konsum ausgleicht — diese Rechnung geht nicht auf, und wir stellen sie deshalb auch nicht auf.

Für mehrere dieser Nährstoffe gibt es zugelassene Angaben: Vitamin B1, B2, Niacin, B6 und B12 tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei, Magnesium ebenfalls, und B2, Niacin, B6, Folat, B12 und Magnesium tragen zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Verwendbar sind sie jeweils ab 15 Prozent der Referenzmenge pro Portion.

Was im Winterglas steckt

Ein Becher Glühwein von 200 ml enthält je nach Rezept rund 16 Gramm Alkohol und kommt mit dem zugesetzten Zucker auf etwa 200 Kilokalorien. Punsch und Eierlikör-Varianten liegen darüber.

Diese Zahl bekommt Gewicht durch die nächste.

Was die DGE zur Menge sagt

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Position in den letzten Jahren deutlich verschärft. Sie lautet heute:

„Es gibt keinen gesundheitlich risikofreien Alkoholkonsum."

Die Empfehlung für Erwachsene lautet entsprechend, keinen oder möglichst wenig Alkohol zu trinken. Zur Einordnung des Risikos nennt die DGE Wochenmengen:

Wochenmenge reiner Alkohol Einordnung
unter 27 g geringes Risiko
27 bis 81 g moderates Risiko
über 81 g hohes Risiko

Ein einziger Becher Glühwein liegt damit bei mehr als der Hälfte dessen, was für eine ganze Woche als geringes Risiko gilt. Das ist keine moralische Aussage, sondern eine Rechnung — und für die meisten Menschen die überraschendste Zahl in diesem Beitrag.

Alkoholfreie Alternativen, ohne Versprechen

Alkoholfreier Glühwein, Früchte- oder Gewürztee, heißer Apfelsaft mit Wasser verdünnt: Die Auswahl ist groß, und der Punkt daran ist schlicht, dass kein Alkohol darin ist. Ein Wirkversprechen ist damit nicht verbunden — und wer auf den Zucker achtet, schaut bei alkoholfreiem Glühwein und gesüßten Fertigtees genauso aufs Etikett wie sonst.

Häufige Fragen

Wärmt Alkohol im Winter?

Er fühlt sich warm an und kühlt den Körper schneller aus. Die erweiterten Hautgefäße geben mehr Wärme an die Umgebung ab.

Wie viel Alkohol ist unbedenklich?

Nach der Position der DGE gibt es keine gesundheitlich risikofreie Menge. Die Empfehlung lautet, keinen oder möglichst wenig Alkohol zu trinken.

Warum schlafe ich nach Alkohol schlechter, obwohl ich schneller einschlafe?

Weil beides stimmt. Die Einschlafzeit verkürzt sich, die zweite Nachthälfte wird unruhiger und der REM-Schlaf verschiebt sich.

Gleicht ein Vitaminpräparat Alkoholkonsum aus?

Nein. Dass Alkohol den Nährstoffhaushalt belastet, heißt nicht, dass eine Ergänzung das aufhebt. Wer regelmäßig trinkt und Fragen zu seinem Nährstoffstatus hat, klärt das ärztlich.

Kurz zusammengefasst

  • Das Wärmegefühl durch Alkohol ist eine Täuschung: Der Körper kühlt schneller aus.
  • Alkohol hemmt ADH und wirkt dadurch harntreibend — der Nettoeffekt ist Flüssigkeitsverlust.
  • Er verkürzt die Einschlafzeit und verschlechtert die zweite Nachthälfte.
  • Bei regelmäßigem höherem Konsum sind vor allem Thiamin sowie Magnesium und Zink betroffen; ein Präparat gleicht das nicht aus.
  • Alkohol liefert rund 7 kcal pro Gramm, ohne Nährstoffe.
  • Die DGE: kein gesundheitlich risikofreier Alkoholkonsum; geringes Risiko unter 27 g pro Woche. Ein Becher Glühwein enthält rund 16 g.

Quellen

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