Nüsse, Samen und pflanzliche Öle als natürliche Quellen für Phytosterole

Pflanzensterine: Cholesterin, Mengen und was zugelassen ist

Pflanzensterine sind ein ungewöhnlicher Fall. Zu den meisten Pflanzenstoffen darf in der EU gar nichts gesagt werden. Zu diesen hier darf ausgesprochen viel gesagt werden — nur nichts über das Immunsystem.

Dieser Text nennt die zugelassenen Angaben, die Mengen, die dafür nötig sind, und die Pflichthinweise, die in fast jedem Blogtext zum Thema fehlen.

Was Pflanzensterine sind

Pflanzensterine, auch Phytosterine, sind das pflanzliche Gegenstück zum tierischen Cholesterin. Chemisch sind sie ihm so ähnlich, dass sie im Darm um dieselben Aufnahmewege konkurrieren. Genau darauf beruht ihre Wirkung: Sie verdrängen einen Teil des Nahrungscholesterins und des über die Galle rückgeführten Cholesterins aus der Aufnahme.

Pflanzenstanole sind die gesättigte Variante und wirken auf dieselbe Weise. In Produkten stehen meist die Ester beider Gruppen.

Was zugelassen ist — und was nicht

Zugelassen ist die Cholesterinaussage. In zwei Stufen:

„Pflanzensterine und Pflanzenstanolester tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei.“

Diese Angabe nach Artikel 13 darf verwendet werden, wenn ein Produkt mindestens 0,8 Gramm pro Tag liefert.

Darüber hinaus existiert eine der wenigen zugelassenen Risikominderungsangaben nach Artikel 14 überhaupt. Sie darf sinngemäß aussagen, dass Pflanzensterine den Cholesteringehalt im Blut senken und dass ein hoher Cholesterinwert ein Risikofaktor für koronare Herzkrankheit ist. Die Bedingungen sind strenger: 1,5 bis 2,4 Gramm pro Tag, und es müssen Pflichthinweise mitlaufen, unter anderem dass sich die Wirkung nach zwei bis drei Wochen einstellt.

Nicht zugelassen ist alles Weitere. Für Pflanzensterine gibt es keine Angabe zum Immunsystem, keine zu Entzündungen und keine zur Immunantwort. Die frühere Fassung dieses Artikels behauptete genau das; das war falsch.

Die Mengenfrage, an der es scheitert

Nüsse, Samen und Pflanzenöle enthalten Pflanzensterine — aber in Größenordnungen, die weit unter der Schwelle liegen.

Lebensmittel Portion Pflanzensterine Anteil an 0,8 g
Sesamöl 1 EL (14 g) ca. 118 mg ca. 15 %
Pistazien 28 g ca. 61 mg ca. 8 %
Mandeln 28 g ca. 32 mg ca. 4 %
Olivenöl 1 EL (14 g) ca. 30 mg ca. 4 %
Rosenkohl 90 g ca. 21 mg ca. 3 %

Eine gemischte Ernährung liefert insgesamt etwa 150 bis 400 Milligramm am Tag. Für die 0,8 Gramm der Artikel-13-Angabe reicht das nicht, für die 1,5 bis 2,4 Gramm der Risikominderungsangabe erst recht nicht.

Diese Mengen sind über normale Lebensmittel praktisch nicht zu erreichen. Sie stammen aus angereicherten Produkten — Margarinen, Joghurtdrinks, bestimmten Milchprodukten —, die eigens dafür gemacht und entsprechend gekennzeichnet sind. Wer „mehr Nüsse essen“ als Cholesterinstrategie liest, liest eine Aussage, die die Rechnung nicht trägt.

Die Pflichthinweise, die meistens fehlen

Für Lebensmittel mit zugesetzten Pflanzensterinen gilt die Verordnung (EG) Nr. 608/2004. Sie schreibt unter anderem vor:

  • Der Hinweis, dass das Produkt ausschließlich für Menschen gedacht ist, die ihren Cholesterinspiegel senken möchten.
  • Nicht mehr als 3 Gramm am Tag. Ein Nutzen über dieser Menge ist nicht belegt, und sie soll nicht überschritten werden.
  • Nicht geeignet für Schwangere, Stillende und Kinder unter fünf Jahren.
  • Der Hinweis, dass Menschen unter cholesterinsenkender Medikation das Produkt nur unter ärztlicher Aufsicht verzehren sollen.
  • Der Hinweis, dass das Produkt für eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse ergänzt werden sollte, um die Carotinoidversorgung zu erhalten.

Der letzte Punkt hat einen konkreten Grund: Pflanzensterine senken nicht nur die Cholesterinaufnahme, sondern auch die von fettlöslichen Carotinoiden wie Beta-Carotin. Das ist der Preis des Wirkmechanismus.

Ein besonderer Tip für Dich!

Wer angereicherte Produkte verwendet, verteilt sie besser über zwei oder drei Mahlzeiten als in einer Portion. Pflanzensterine wirken im Darm, dort wo gerade Cholesterin ankommt — sie über den Tag zu verteilen bringt mehr als eine große Gabe morgens. Und sie brauchen eine Mahlzeit mit Fett, sonst passiert wenig.

Was das mit dem Winter zu tun hat: nichts

Die frühere Fassung dieses Textes war um „Sterole für das Immunsystem im Winter“ gebaut. Dafür gibt es keine Grundlage. Pflanzensterine haben keinen saisonalen Bezug und keine Immunwirkung, die in der EU ausgelobt werden dürfte.

Wer im Winterhalbjahr nach dem Nährstoff mit dem eindeutigsten Versorgungsproblem sucht, findet ihn woanders: Von Oktober bis März ruht die Vitamin-D-Bildung in der Haut. Zehn Nährstoffe tragen eine zugelassene Angabe zur normalen Funktion des Immunsystems — welche das sind und in welchen Mengen, steht in unserem Text zu Immunsystem und Ernährung.

Wann ärztlicher Rat angebracht ist

  • bei bekannt erhöhten Cholesterinwerten, bevor man etwas auf eigene Faust ändert
  • bei laufender Behandlung mit Statinen oder anderen Lipidsenkern
  • in Schwangerschaft und Stillzeit
  • bei Kindern
  • bei familiärer Hypercholesterinämie, wo die Ernährung allein nicht ausreicht

Häufige Fragen

Stärken Pflanzensterine das Immunsystem?

Nein, und eine solche Aussage wäre nicht zulässig. Zugelassen sind ausschließlich die Angaben zum Cholesterinspiegel.

Reicht es, mehr Nüsse und Olivenöl zu essen?

Für die zugelassene Angabe nicht. Eine gemischte Ernährung liefert 150 bis 400 Milligramm täglich, die Schwelle liegt bei 800 Milligramm. Nüsse und Öle sind aus anderen Gründen sinnvoll.

Ersetzen Pflanzensterine ein Statin?

Nein. Das ist eine ärztliche Entscheidung, und Präparate gehören nicht eigenmächtig abgesetzt oder ersetzt.

Sind mehr als 3 Gramm besser?

Nein. Oberhalb von 3 Gramm täglich ist kein zusätzlicher Nutzen belegt, und die Menge soll laut Verordnung nicht überschritten werden.

Kurz zusammengefasst

  • Pflanzensterine tragen eine zugelassene Angabe zum Cholesterinspiegel ab 0,8 g pro Tag und eine Risikominderungsangabe ab 1,5 g.
  • Eine Immunangabe gibt es nicht.
  • Normale Lebensmittel liefern 150 bis 400 mg am Tag — die Schwellen sind so nicht erreichbar.
  • Höchstens 3 g täglich; nicht für Schwangere, Stillende und Kinder unter fünf Jahren.
  • Sie senken auch die Aufnahme von Carotinoiden.

Quellen

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